Aktuelles: Heilbäder fahren verstärkt zweigleisig
 
Heilbäder fahren verstärkt zweigleisig

Neben klassischen Kurangeboten gewinnt Prävention an Bedeutung – Wiesenbad stellt sich diesem Trend

Physiotherapeutin Christin Mohr bei einer Verwöhn massage mit Aromaöl im Wellnessbereich des Badehauses des Kurkomplexes in Thermalbad Wiesenbad. Immer mehr Menschen gönnen sich auf eigene Kosten derartige Behandlungen. (Foto: Brigitte Streek)

Physiotherapeutin Christin Mohr bei einer Verwöhn massage mit Aromaöl im Wellnessbereich des Badehauses des Kurkomplexes in Thermalbad Wiesenbad. Immer mehr Menschen gönnen sich auf eigene Kosten derartige Behandlungen. (Foto: Brigitte Streek)

Von Thomas Wittig

Thermalbad Wiesenbad. Die Übernachtungen in Sachsens Kurorten sind im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007 um 6,3 Prozent gestiegen. Für die drei anerkannten Kurorte im Erzgebirgskreis differiert diese Zahl allerdings deutlich. Während Thermalbad Wiesenbad mit einem Plus von 5,3 Prozent dem Landesdurchschnitt ziemlich nahe kommt, muss Bad Schlema einen Rückgang der Übernachtungen von 13 Prozent verkraften. Warmbad liegt mit einem Minus von 8,8 Prozent mittendrin, erklärte gestern Helfried Böhme, Geschäftsführer des Sächsischen Heilbäderverbandes, anlässlich des Landesbädertages, der erstmals in Thermalbad Wiesenbad stattfand.

Allein aus diesen Zahlen ließen sich aber keine Rückschlüsse auf die Wertschöpfung der Kureinrichtungen ziehen. Das liege unter anderem an der Ausrichtung der Objekte. So setze etwa Bad Schlema verstärkt auf das Tagesgeschäft. Zudem standen dort in den vergangenen Monaten weniger Betten zur Verfügung, weil das Kurhotel saniert beziehungsweise modernisiert wird. Am 28. Dieses Monats soll die Einrichtung inklusive eines neuen Restaurants wieder an den Start gehen, verspricht Steffen Matthias, Geschäftsführer der Kurgesellschaft Schlema. Weitere Investvorhaben sind aber bereits geplant: „Über den Winter wollen wir den Wellnessbereich erweitern. Noch dieses Jahr sollen Wasserfahrräder angeschafft werden”, so Matthias. Inklusive Umbau des Kurhotels bedeutet das Kosten von rund 1,4 Millionen Euro, die völlig ohne Fördermittel gestemmt worden seien. Stolz ist Steffen Matthias auf die Tatsache. dass 75 Prozent Selbstzahler die Kureinrichtungen des Ortes nutzen.

In Wiesenbad sind es aktuell 37 Prozent Privatzahler, sagt Geschäftsführer Klaus Leibiger. Diese Zahl wird weiter wachsen, ist sich Karl-Ludwig Resch, Präsident des Sächsischen Heilbäderverbandes, sicher. Grund: Jeder hat nur eine Gesundheit. Das Wissen darum sorge bei immer mehr Menschen für ein Umdenken. Prävention rücke stärker in den Fokus. Viele leisteten sich auf eigene Kosten ein- bis mehrtägige medizinische Wellness in Kurorten und nutzten dabei das dort vorhandene ganzheitliche Gesundheitsangebot. Diese Zweigleisigkeit zwischen Wellness und Kuren kristallisiere sich immer deutlicher heraus, wobei perspektivisch mehr auf Selbstzahler gesetzt werde, weil die Krankenkassen immer weniger Dinge bezahlen, so Resch.

Bei diesem Punkt setzen auch Leibigers Zukunftspläne an: „Wir möchten mehr Tagestouristen ansprechen.” Dazu sollen noch dieses Jahr in der Kurparkhalle Duschen und Umkleidekabinen gebaut werden, die von Jedermann nutzbar sind, etwa um von dort aus zu Nordic-Walking-Touren aufzubrechen oder sich künftig auf die geplanten zehn Radtouren zu begeben.

In Warmbad liegen laut Geschäftsführer Knut Hinkel sämtliche Pläne erst einmal auf Eis, bis sich der neue Landkreis als Eigentümer dazu positioniere. Was er sich dennoch wünsche, sei der Bau eines größeren Hotels.

Quelle: Freie Presse, Annaberger Zeitung, 07.11.2008