Wo Kurfürstin Sophie einst badete
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Wiesenbad …
Wo Kurfürstin Sophie einst badete

Bild: Wiesenbad nach dem Dreißigjährigen Krieg. Kupferstich 28,5 x 17 cm aus
Merian d. Ä.: ´Topographia Superioris Saxoniae Thuringiae Misniae Lusatiae etc.´
Frankfurt 1650.
„Dieser heilsame Quell ist also erfunden worden: (c) nachdenk anfänglich ein armer siecher Mensch ohngefehr zu deisem Quellen gekommen / hat er seine ungesunde ulcerirte Schenckel damit gewaschen / und sonder Zweifel auch des Quells getrucncken / in Hoffnung er wolte allda Linderung und geringe Kühlung seiner Schmerzhafften Schenckel erlangen / als er aber befunden / daß ihm dieser Quell nicht allein zur Linderung / sondern auch vielmehr zur Besserung und gäntzlichen Abwendung seiner Beschwerung … hält er an biß er seine vollständige Gesundheit hierdurch erlanget. … Dießes veranlste den damaligen Besitzer Johan Friedrichen / Bürgern von Beier den Aelteren / daß er im Jahre 1501 den Quellen in eine Vierung fassen / und dabey ein Badhaus verfertigen lies.“
Miriquidi – romantisch, verträumt und scheinbar unendlich – irgendwie voller Rätsel – so lebt seit Jahrhunderten der dunkle Wald in unserer Phantasie. Auf wenigen Lichtungen, auch Auen genannt, haben erste Siedler eine neue Heimat gefunden. Die Rosenaue nahe dem Dorf Wiese, unweit von Annaberg, war Anfang des 16. Jahrhunderts ein solches Fleckchen Erde. Ein Schäfer soll es gewesen sein, der, einem Bächlein folgend, den warmen Sprudel zuerst entdeckte und darin seine müden Glieder belebte und gar Heilung von seinen Gebrechen erfuhr. Christian Friedrich Garmann hat dieses Jahr später dokumentiert.
Wie damals üblich, wurde auch schnell ein Name gefunden. Hiobsquelle – benannt nach dem Schutzpatron der Kranken und Schwachen.
Über 500 Jahre sind vergangen – eine Geschichte von Blüte und Verfall, von Aufbau und Zerstörung – aber stets geprägt von Menschen und dem heilenden Wasser.
Diese Geschichte hat viele Markenzeichen, die wie bunte Mosaiksteine unsere Erinnerung prägen oder sich zusammenfügen zu einem Geschichtsbild. Da ist die erste Blütezeit mit Sophie, der Witwe des sächsischen Kurfürsten Christian I., und dem Bau des Fürstenhauses.
Über Jahrhunderte entstand das noch heute erhaltene Ensemble – Profilierung zum Kursanatorium in der damaligen DDR – und am Ende des vergangenen Jahrhunderts Ausbau zu einer modernen Kuranlage für Rehabilitation, Prävention, Gesundheitsurlaub und Wellness.
Wie vor langer Zeit der zur Quelle gezähmte Wildbach in der Rosenaue sprudelt heute das Thermalwasser als natürliches Heilmittel von Thermalbad Wiesenbad aus der Georgsquelle. Bewahren wir dieses Geschenk der Natur, damit es – unterstützt durch die Erkenntnisse moderner Medizin – noch viele Jahrhunderte eine Quelle der Entspannung, Heilung oder Linderung von Schmerzen bleibt.
Vom angrenzenden Bergrücken fällt der Blick auf das Kurensemble mit dem Kurpark – eingebettet in das wildromantische und waldreiche Zschopautal. Die Gedanken wandern Jahrhunderte zurück – zu Miriquidi, zum Schäfer, zum sprudelnden warmen Wildbach in der Rosenaue und zur einst hier badenden Kurfürstin Sophie.
Erhalte, Allvater, die heilende Kraft,
Die Güte und Weisheit der Quelle gegeben,
Damit sie auch ferner viel Nutzen noch schafft.
Erhalt und stärk auch das theuere Leben
Des hohen Besitzers, nie stöhre Sein Glück
Ein widriger Zufall, ein traurig Geschick.G.J.M.
Wiesenbad, den 18. Junii 1784.





