Medizinisch-Balneologische Beurteilung

Medizinisch-Balneologische Beurteilung

Medizinisch-Balneologische Beurteilung des Wassers der Georgsquelle in Thermalbad Wiesenbad
– Auszug –

 
Verfasser: Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft in Bad Elster

 

1. Zusammensetzung und Qualität

Das Wasser enthält die in der Tabelle aufgeführten, für die Beurteilung wichtigen Einzelbestandteile. Nach den Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen ist das Wasser als Thermalwasser einzustufen („Wässer, deren Temperatur am Austrittsort mehr als 20 °C beträgt“). Darüber hinaus enthält das Wasser mit 4,8 mg/l F- einen in o.g. Begriffsbestimmungen als besonders wertbestimmenden Einzelbestandteil eingestuften Inhaltsstoff oberhalb der vorgeschriebenen Mindestkonzentration von 1 mg/l.

Das Wasser der Georgsquelle erfüllt somit zwei Kriterien für die Anerkennung als Heilwasser.

Charakterisierung: fluoridhaltiges Thermalwasser

Schwach mineralisierte Wässer (<1 g/l Gesamtmineralisation) werden als akratische Wässer bezeichnet. Auf Grund seiner Austrittstemperatur und seines Gehaltes an F- kann daher das Wasser der Georgsquelle auch die Bezeichnung „Fluoridhaltige Akratotherme“ führen.

Das Wasser der Georgsquelle ist mikrobiologisch einwandfrei und weist darüber hinaus keine Bestandteile in Konzentrationen auf, die aus anthropogene Belastungen schließen lassen. Das Wasser kann daher als „ursprünglich rein“ bezeichnet werden.

Auch geogen bedingte Stoffe (insbesondere Spurenelemente) sind nicht in Konzentrationen oberhalb zulässiger Grenzwerte entsprechend der Mineral- und Tafelwasserverordnung nachweisbar.

Damit erfüllt das Wasser der Georgsquelle alle notwendigen Voraussetzungen für eine amtliche Anerkennung als natürliches Heilmittel.

Das Wasser kann auf Grund dieser Voraussetzungen sowohl für Badekuren als auch zu Trinkkuren eingesetzt werden.

 

2. Wirkungsweise – Bademedium

Für die Wirkungsweise des schwach mineralisierten Wassers der Georgsquelle bei der Verwendung als Bademedium ist in erster Linie seine Temperatur, weniger seine chemische Zusammensetzung, maßgebend. Es ist gestattet, Thermalwässer auf die notwendige Applikationstemperatur nachzuwärmen. Das sollte schonend über entsprechende Wärmeaustauscher erfolgen.

Die therapeutische Wirkung der Akratothermen ist bis heute unumstritten, ihre schmerzstillenden, hautglättenden und sedierenden Wirkungen sind empirisch gut belegt, wenngleich über die Wirkmechanismen bisher noch keine volle Klarheit besteht.

Die schmerzstillende und sedative Wirkung von Akratothermen bei Erkrankungen und traumatischen Schäden des Bewegungsapparates sowie bei neurologischen Störungen wird seit Jahrhunderten zu therapeutischen Zwecken genutzt.

Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates sind im Allgemeinen folgende Anwendungen von Akratothermen möglich:

  1. Erhöhung der Körpertemperatur, in Wannenbädern von etwa 38 °C oder darüber
  2. Bewegungstherapie, unter Nutzung des Auftriebes im Thermalbecken (z.B. Unterwassergymnastik), in Bewegungsbecken mit Temperaturen von 35 – 38 °C
  3. therapeutisches Schwimmen, im Thermal-Schwimmbad bei etwa 31-32 °C.

Die Erhöhung der Körpertemperatur fördert die Durchblutung und damit die Versorgung der bradytrophen Gewebe und entspannt die Muskulatur.

Für Übungs- und Bewegungsbäder ist der Auftrieb der wichtigste Faktor. Durch die Entlastung des Stützapparates und der Gelenke vom Körpergewicht können Übungen unter geringerer Schmerzbelastung durchgeführt werden.

Im Rahmen einer kombinierten Kur, bestehend aus der Anwendung von Erwärmungs- und Bewegungsbädern, die entsprechend dem spezifischen Krankheitsbild sinnvoll durch weitere physiotherapeutische Behandlungen (z.B. Ultraschall, Kurzwelle, hydroelektrische Bäder und Massagen) ergänzt werden, kann der Zwangsfolge von Schmerz – Bewegungsbehinderung – Muskelatrophie – Versteifung wirksam entgegengewirkt werden.

 

3. Indikationen – Bademedium

bei Erkrankungen des Bewegungsapparates

Wasser der Georgsquelle

weitere Indikationen:
- Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere labile Hypertonie
- psychosomatische Störungen
- spastische Lähmungen

sowie:
- Folgezustand nach Apoplexia cerebri
- Zustand bei Lähmungserscheinungen verschiedener Genese

und:
- Osteoporose

Gegenindikationen:
Gegenindikationen sind grundsätzlich alle akuten Phasen der Erkrankungen, insbesondere bei den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

 

4. Wirkungsweise – Trinkkur

Die geringe Gesamtmineralisation und hierbei besonders die geringen Gehalte an Na+ (118 mg/l) und NaCl – auf den Cl- -Gehalt bezogen: 54,4 mg/l) lassen beim Trinken des Wassers der Georgsquelle eine ausgesprochen spontan-diuretische Wirkung erwarten. Bei der Applikation des Wassers erfolgt eine Verdünnung des Harns sowie auf Grund der spontanen Diuresewirkung eine Durchspülung der Nieren und Harnwege. Das ist von Bedeutung bei Patienten mit Harnsteindiathese, insbesondere bei fehlender Harnsteinanalyse, aber auch bei Patienten mit Hyperurikämie, um die schwerlösliche Harnsäure aus dem Organismus durch erhöhte Flüssigkeitszufuhr auszuschwemmen.

Diese Wirkungen lassen sich selbstverständlich auch mit Trinkwasser erreichen. Gegenüber diesem hat das Wasser der Georgsquelle jedoch den Vorteil der durch die Analyse bestätigten ursprünglichen Reinheit ohne Schadstoffe und des Fehlens bakterizider Zusätze.

Wegen Mangels an spezifischen, gegenüber dem Trinkwasser abgrenzbaren Wirkungen, werden akratische Wässer auch vom Bundesamt für Arzneimittel und Medikamente nicht als Versandheilwässer zugelassen.

Anders verhält es sich beim F- –Gehalt. Es kann als wissenschaftlich gesichert angesehen werden, dass F- die Entwicklung von Karies hemmt. Die Fluorapatit enthaltende Deckschicht der Zähne muss ständig erneuert werden. Mangelnde Zufuhr von F- führt zum Rückgang von Härte und Widerstandskraft der Deckschicht. Eine prophylaktische F- –Zufuhr führt zu einer Verringerung der Inzidenz für Karies um 30 – 70 %. Ausschlaggebend für die kariesprophylaktische Wirkung nach dem Zahndurchbruch ist die F-–Konzentration im Speichel. In neueren Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass sich die F-–Konzentration im Speichel dosisabhängig durch Applikation von F- –haltigen Wässern steigern lässt.

Sehr hohe Dosierungen von 40-60 mg F- /Tag werden auch bei der Behandlung verschiedener Formen der Osteoporose genutzt. Dabei ist von Bedeutung, dass F- das Knochenwachstum stimuliert.

Zur unterstützenden Behandlung von Osteoporose werden Heilwässer mit 5-10 mg/l F- für zeitlich begrenzte Trinkkuren (4-6 Wochen) empfohlen. Diese Indikation würde sich für Thermalbad Wiesenbad besonders anbieten, weil bei der Behandlung von Osteoporose auch die Applikation von Thermalwasserbädern empfohlen wird. Wegen der zunehmenden Lebenserwartung ist zukünftig eine Zunahme der Osteoporose-Erkrankungen anzunehmen.

Länger andauernde mehrjährige überhöhte F- –Zufuhr von >20 mg/Tag kann zur Bildung einer verhärteten und verdichteten Kortikalis führen, wobei Gelenkversteifungen und Wirbelankylosen auftreten können.

 

5. Indikationen – Trinkkur

  • Zur unterstützenden Behandlung bei Harnsteindiathese
  • Zur unterstützenden Behandlung bei Hyperurikämie
  • Zur Kariesprophylaxe
  • Zur unterstützenden Behandlung bei Osteoporose

Gegenindikationen

  • Eingeschränkte Flüssigkeitstoleranz
  • Akute Erkrankungen des Verdauungstraktes und der Nieren


Dosierung

  • Bei urologischen Indikationen und bei Hyperurikämie: über den Tag verteilt mindestens 1,5 l trinken, die letzte Portion kurz vor Beginn de Nachtruhe
  • Zur Kariesprophylaxe: über den Tag verteilt etwa 500 ml trinken
  • Zur unterstützenden Behandlung von Osteoporose: über den Tag verteilt etwa 1,5 l trinken