DIE Gesundheitsquelle im Erzgebirge

Ein Garten zum Schnuppern und Staunen

Auf einer Anlage in Thermalbad Wiesenbad gedeihen 270 Heilpflanzen – Areal am Samstag eingeweiht

Thermalbad Wiesenbad. Wenn Helga Hösel durch einen Kräutergaten geht, braucht sie kein Buch mehr. Die Namen der Geächse, ihre Wirkung und das beste Rezept, um einen Sirup oder eine Suppe daraus zu machen, kennt die Heilpflanzenexpertin genau. Zum Beispiel das Tausendgüldenkraut gegen Verdauungsproblem oder Brennnessel als Spülung für Haare“, sagt Helga Hösel. „Manche Leute wissen gar nicht, wie viel Kraft in Kräutern steckt.“ Das soll sich mit dem neuen Kräutergarten in Thermalbad Wiesenbad ändern. Auf 1400 Quadratmetern wachsen 270 verschiedene Pflanzen aus nah und fern. Die Anlage neben der Kurparkhalle, die seit März entstanden ist, wurde am Samstag eingeweiht.
Nach neun verschiedenen Krankheitsbildern-von Hautverletzungen über Gallen- und Leber-Beschwerden bis zu Frauenleiden – ist der kleine Park aus Beeten und Wiesen unterteilt, der zudem zum Sitzen einlädt. „Mir gefällt die Anlage mit den Informationstafeln, auch weil Rollstuhlfahrer auf den breiten Wegen gut durchfahren können“, lobte Helga Hösel, die als Mitglied des Kneipp-Vereins Bad Schlema zur Einweisung kam. 105.000 Euro hat das Errichten der Anlage gekostet, das von der Gemeinde mit Hilfe von 75 Prozent Fördergeld finanziert wurde. „Jetzt hoffen wir, dass der Garten so bleibt, wie er ist“, sagte Bürgermeister Heinz Fischer. Denn Pflücken ist nicht erlaubt – Staunen, Schnuppen und Fühlen dagegen schon.
Das empfiehlt auch Franziska Nestler den Besuchern, die den Kräutergarten entworfen hat. „Wir mussten die Pflanzen nicht nur nach ihrer Wirkung ordnen, sondern auch nach ihren Ansprüchen“,erklärte die Landschaftsarchitektin. Einige Kräuter aus dem Mittelmeerraum mögen es zum Beispiel trocken, andere würden den Winter nicht überleben und gedeihen daher in großen Holzfässern, etwa die Haut pflegende Pflanze Aloe-Pflanze. Bei allen Kräutern, so Franziska Nestler, sollte man mit der Nase ruhig einmal ganz nah herangehen, um etwa Zitronenmelisse, Kamille und Kapuzinerkresse zu riechen. „Oder die Minze. Davon haben wir verschiedene Duftnoten hier: von Zitrone über Grapefruit bis Erdbeere.“
Dass die Pflanzen gut gedeihen und 2008 auch die Kräuterwiesen an der Zschopau blühen, darum kümmert sich Barbara Schubert. „Das Helmkraut zum Beispiel stärkt das Herz, das Küchenkraut Ysop hilft bei Schnupfen und Fieber“, erklärte die Gärtnermeisterin, die zu Hause etwa aus Johanniskraut selbst Öl herstellt. „Das beruhigt und heilt die Haut nach Verbrennungen.“ Damit künftig mehr Leute über solches Wissen verfügen, soll das Areal rund um die Kurparkhalle zum Thermalheil-Kräuterzentrum ausgebaut werden. „Noch in diesem Halbjahr entstehen ein Kräuterfachgeschäft und ein Kochstudio, wo Jeder Seminare für gesundes Kochen belegen kann“, blickte Klaus Leibiger, Chef der Kurgesellschaft, voraus. (kan)

Quelle: Freie Presse, Juni 2006