DIE Gesundheitsquelle im Erzgebirge

„Kräuterweibl“ wird Ehren-Olitätenkönigin

Christl Stolle aus Oberwiesenthal glänzt mit Können im Thüringischen und holt für das Erzgebirge die Krone

Oberwiesenthal. Christl Stolle, die Kräuterfrau aus der Stadt am Fichtelberg, ist jetzt im thüringischen Großbreitenbach zur „Ehren-Olitätenkönigin“ gekürt worden. Mit der Teilnahme am traditionellen Kräuter- und Olitätenmarkt erfüllte sich für die gelernte Kräuterfachfrau ein lang gehegter Wunsch. „Neun Bewerberinnen aus allen Teilen Deutschlands stellten ihre Heimatregion vor und mussten 20 Kräuter bestimmen“, erzählt die Oberwiesenthalerin. Bewertet wurden auch ihre Kenntnisse über Heilpflanzen und das Kochen einer Kräutersuppe in nur acht Minuten.
Wissen und Können der Erzgebirgerin wurden belohnt. Für ein Jahr, bis zum alten katholischen Fest „Maria Himmelfahrt“, das auch schon immer der Kräuterweihe diente, amtiert die frisch gekürte Ehrenkönigin neben der einheimischen Hoheit. Sie wird bis zum August 2005 auch Repräsentationsaufgaben der Stadt Großbreitenbach und in deren traditionellem Apothekengewerbe wahrnehmen.
Der Name Olität steht in Zusammenhang mit „ätherisch“ und bezeichnet die Heilkraft sowie den Handel mit Kräutern. „Der Umgang mit den erzgebirgischen Kräutern lernte ich schon als Kind“, erinnert sich Christl Stolle. Doch zu eienr Berufung wurde die Thematik erst mit einer Ausbildung zur Kräuterfachfrau 1998 am Frauenförder- und Kommunikationszentrum in Mildenau. Die Ausbildung umfasste die Zubereitung unterschiedlicher Teesorten und Suppen, Salben, Öle; Liköre und Schnäpse. Seitdem ist sie den erzgebirgischem Kräuterpotenzial geradezu gierig auf der Spur.
„Ich entdecke immer wieder Neues, lasse mich von Fachleuten beraten und merke durch eigene Anwendungen, wie schonend und wirksam Pflanzen heilen können.“ Inzwischen versucht das „Kräuterweibel“, wie sie liebevoll bezeichnet wird, alljährlich mit ihren Aktionen, das touristische Sommerloch im Landkreis zu stopfen. Unter dem Dach des Fremdenverkehrs- und Heimatvereins Oberwiesenthal veranstaltet sie Seminare mit Ärzten und Apothekern. „Mir kommt es darauf an, vielen Leuten unser schönes Gebirge zu zeigen.“ Christl Stolle engagiert sich während der jährlichen Kräuterwochenenden am Fichtelberg und trägt die Kräuter und ihr Wissen in Schulen, Kindergärten, Müterzentren sowie Kureinrichtungen. Als Kräuterfrau spricht sie bei Firmenveranstaltungen und Familienfeiern.
In ihrer kleinen Mietwohnung an der Annaberger Straße steht derzeit auf den Fensterstöcken frisch Aufgesetztes wie Ringelblumenöl, Kümmel- und Brennnesselschnaps. Nach und nach füllt sich Stolles Kühltruhe mit gehacktem Bärlauch und das Waschhaus mit trockener Minze, Melisse und Salbei. Auch der leckere Sirup aus Lindenblüten wird die Erinnerung an duftende Sommertage lange wach halten.

Quelle:Freie Presse, Christine Bergmann, 28.08. 2004